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← Blog · Blower Door 10. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Blower Door Test: So läuft eine Messung wirklich ab

Von der Anfrage bis zum Prüfbericht: der komplette Ablauf einer Luftdichtheitsmessung nach DIN EN ISO 9972 — mit Zeitplan, Vorbereitung und was Sie als Bauherr beachten sollten.

Viele Bauherren hören zum ersten Mal vom Blower Door Test, wenn das Bauamt oder der Energieberater danach fragt — und stehen dann ratlos vor Fragen wie: Wie lange dauert das? Was muss ich vorbereiten? Bin ich dabei? Dieser Artikel führt Schritt für Schritt durch einen typischen Mess-Tag und zeigt, worauf es praktisch ankommt.

Schritt 1: Anfrage und Terminvereinbarung

Der Prozess beginnt meist mit einem Formular oder einem Anruf. Gute Messtechniker fragen zunächst nach:

  • Anschrift und PLZ des Messobjekts — für die Kalkulation der Anfahrt.
  • Gebäudetyp (EFH, MFH, Gewerbe, Neubau, Bestand).
  • Beheiztes Volumen in m³ — das bestimmt Messdauer und Gebläsegröße.
  • Zweck der Messung (KfW-Nachweis, GEG, Qualitätssicherung).

Seriöse Anbieter liefern innerhalb von 24 Stunden ein verbindliches Angebot mit Festpreis oder transparentem Aufschlag. Versteckt sich ein Preis hinter der Phrase „auf Anfrage”, wäre das ein Warnzeichen — bei standardisierten Messungen gibt es keinen Grund, den Preis geheim zu halten.

Realistische Reaktionszeiten:

  • Angebot: innerhalb 24 h nach Anfrage
  • Messtermin: typisch 7 bis 14 Tage nach Zusage

Schritt 2: Vor-Ort-Vorbereitung durch den Bauherrn

Am Tag der Messung muss das Gebäude in einen definierten Zustand gebracht werden. Das ist Ihre Aufgabe als Bauherr — nicht die des Messtechnikers. Eine saubere Vorbereitung kann Minuten bis Stunden sparen:

  • Alle Außentüren und Fenster geschlossen, inklusive Balkon- und Terrassentüren.
  • Alle Innentüren geöffnet — auch Schranktüren vor eingebauten Lüftungen.
  • RLT-Anlagen abgeschaltet und idealerweise abgedichtet.
  • Kamine, Abflüsse, Dunstabzüge nach Norm verschlossen (z. B. mit Klarsichtfolie und Klebeband).
  • Briefschlitz, Hundeklappen geschlossen oder abgedichtet.

Ein seriöser Anbieter schickt Ihnen vor dem Termin eine Checkliste mit allen Punkten.

Schritt 3: Aufbau des Messgeräts

Am Messtag selbst läuft folgender Ablauf (ungefähre Zeiten für ein typisches EFH mit 450 m³):

AktionDauer
Messgeräte-Setup20 Min
Gebäude-Begehung & Volumen-Check10 Min
Überdruckmessung20 Min
Unterdruckmessung20 Min
Leckageortung mit Rauch / Wärmebild30 Min
Abbau + Dokumentations-Fotos15 Min
Gesamt1 h 55 min

Die zentrale Komponente: ein variabel einstellbares Gebläse mit Mess-Manschette, das in eine Außentür eingebaut wird. Ein digitales Manometer erfasst zeitgleich den Differenzdruck zwischen innen und außen.

Schritt 4: Die eigentliche Messung

Gemessen wird in zwei Phasen — exakt nach DIN EN ISO 9972, Anhang NA:

Überdruck: Das Gebläse drückt Luft ins Haus hinein. Leckagen führen dazu, dass sich der Druck nur durch kontinuierliches Nachschieben halten lässt. Der Messtechniker protokolliert, wieviel Luftvolumenstrom (in m³/h) bei exakt 50 Pa Druckdifferenz erforderlich ist.

Unterdruck: Das Gebläse saugt Luft aus dem Haus. Dasselbe Prinzip, nur umgekehrt — und fast immer mit leicht unterschiedlichen Ergebnissen (einige Leckagen öffnen oder schließen sich je nach Druckrichtung).

Der Mittelwert beider Messungen ist der offizielle n50-Wert.

Schritt 5: Leckageortung — der wertvolle Teil

Während des Unterdrucks wird die Leckageortung durchgeführt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer nur den n50-Wert ermittelt, liefert bestenfalls eine Zahl. Wer die Leckagen lokalisiert, liefert einen Handlungsauftrag.

Zwei Methoden werden meist kombiniert:

  • Rauchröhrchen: Sichtbarer Rauch zeigt Luftströmungen an verdächtigen Stellen — klassisch, günstig, eindeutig.
  • Wärmebildkamera: Kalte Leckagestellen erscheinen im Thermogramm als dunkle, linienförmige Muster — besonders hilfreich bei flächigen Undichtheiten in Dampfbremsen oder Dämmebenen.

Jede gefundene Stelle wird mit Foto, Lagebeschreibung und Empfehlung im Prüfbericht dokumentiert.

Schritt 6: Prüfbericht als PDF

Spätestens am nächsten Werktag liegt der normkonforme Prüfbericht im Posteingang. Er enthält:

  • Alle Messwerte (V̇₅₀, n50, q50, Volumen, Referenztemperatur, Wind)
  • Auftraggeber-Adresse (für Rechnung) und Messobjekt-Adresse (für Akte)
  • Gebäudebeschreibung (Geometrie, Hüllfläche)
  • Bewertung gemäß GEG § 26 / KfW-Anforderung
  • Leckage-Fotos mit Erklärung
  • Unterschriftsfeld des Messtechnikers

Wichtig: Der Bericht muss auch erstellt werden, wenn der Wert verfehlt wird. Alles andere wäre unseriös — und entspricht nicht dem Stand der Technik.

Was kostet eine Messung?

Am Markt bewegen sich Einstiegspreise zwischen 285 € und 450 € für ein Einfamilienhaus — abhängig von Anfahrt, Leistungsumfang und Extras wie Zertifikat. Achte bei Vergleichen auf die Gesamtkosten: mancher Anbieter lockt mit 299 €, rechnet dann aber jeden km ab 10 km einzeln ab und nimmt für das Zertifikat einen Aufschlag.

Faire Orientierung: Ein seriöser Festpreis mit Anfahrt, Messung, Leckageortung und Prüfbericht liegt bei rund 349 € im 75-km-Radius. Darüber 1,00 bis 1,20 € pro Kilometer transparent im Angebot.

Muss ich während der Messung anwesend sein?

Nicht zwingend. Wir brauchen nur Zugang zum Gebäude und idealerweise einen Ansprechpartner für Rückfragen zu Besonderheiten (z. B. zu Rollläden, Lüftungsanlagen, Baustoffen). Viele Messungen laufen reibungslos ab, wenn nur ein Schlüssel hinterlegt ist.


Ein Blower Door Test ist kein Hexenwerk. Wenn Sie wissen, was zu erwarten ist, wird er zur schnellen Qualitätskontrolle — und im besten Fall zum entscheidenden Baustein für eine sichere Fördergeld-Auszahlung.

Häufige Fragen

Wie bereite ich mein Haus auf einen Blower Door Test vor?

Alle Außentüren, Fenster und Balkontüren müssen geschlossen sein. Alle Innentüren und Schranktüren sollten offen stehen. RLT-Anlagen sind abzuschalten und idealerweise abzudichten. Kamine, Abflüsse und Dunstabzüge müssen nach Norm verschlossen werden, beispielsweise mit Klarsichtfolie und Klebeband. Briefschlitze und Hundeklappen sind zu verschließen. Ein seriöser Anbieter sendet vor dem Termin eine Checkliste mit allen erforderlichen Schritten. Diese Vorbereitung ist Aufgabe des Bauherrn und kann erheblich zur Zeitersparnis am Messtag beitragen.

Was ist der n50-Wert und wie wird er gemessen?

Der n50-Wert ist die Luftwechselrate bei 50 Pascal Druckdifferenz, gemessen nach DIN EN ISO 9972. Ein variables Gebläse wird in eine Außentür eingebaut und ermittelt den Volumenstrom in m³/h, der erforderlich ist, um einen Druck von exakt 50 Pa zu halten. Gemessen wird in zwei Phasen: einmal im Überdruck (Gebläse drückt Luft hinein) und einmal im Unterdruck (Gebläse saugt Luft heraus). Der Mittelwert beider Messungen ergibt den offiziellen n50-Wert. Oft unterscheiden sich die beiden Messwerte, weil einzelne Leckagen je nach Druckrichtung unterschiedlich reagieren.

Wie lange dauert ein Blower Door Test und was kostet er?

Eine typische Messung für ein Einfamilienhaus (etwa 450 m³) dauert etwa 2 Stunden, einschließlich Aufbau, Messung, Leckageortung und Abbau. Die Gesamtdauer hängt vom Gebäudevolumen ab. Seriöse Anbieter berechnen Festpreise zwischen 285 und 450 Euro im 75-km-Radius, abhängig von Anfahrt und Leistungsumfang. Ein fairer Preis liegt bei etwa 349 Euro für Messung, Leckageortung und normenkonformen Prüfbericht. Zusätze wie Zertifikate können einen Aufschlag bedeuten. Transparente Kilometer-Zusätze sind 1,00 bis 1,20 Euro pro Kilometer üblich.

Blower Door Ablauf Vorbereitung DIN EN ISO 9972
FM
Florian Möllenkamp
Energieberater · Gebäudemesstechnik · seit 2006
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